Projekt Go for 65

Vor etwa einem Jahr habe ich auf Facebook meine Entschluss zum Projekt Go for 65 angekündigt.

 

Schon lange habe ich einen Gedanken im Hinterkopf. "Was passiert, wenn man als über 60-jähriger noch einmal der körperlichen Leistungsfähigkeit, bzw. dem Sport eine sehr hohe Priorität einräumt?

Was kann ich noch leisten? Wie muss ich trainieren? Wie reagieren Körper und Psyche auf eine höhere und strukturiertere Belastung? In gut einem Jahr werde ich 65. Ich will es wissen. Wann wenn nicht jetzt?"

 

FAZIT NACH EINEM JAHR

Aus sportlicher Sicht ist das Ganze glorios gescheitert.  Schon nach dem Engadiner war meine Wettkampflust mal ziemlich verflogen. Müde und nicht Fit am Start, und dann hat mich die Stunde vor dem Start schon ziemlich "mitgenommen". Ich stellte mir ernsthaft ( und stelle sie mir immer noch) die efektive Sinnfrage.

Man ist dort in einem Gitterkäfig eingepfercht, man stelle sich das vor, wohnzimmerhohe Metallgitter, zusammen mit vielleicht 1500 anderen Läufern. Unweigerlich kamen mir bei diessem Prozedere Gedanken an Auschwitz, Dachau, Buchenwald usw. Dort waren die Leute auch so eingepfercht. Allerdings nicht in modischen Sportklamotten und freiwillig wie wir...

Ich habe mich wirklich gefragt, "was zum Teufel mache ich hier?" Ich lasse mich freiwillig einsperren und bezahle noch dafür und dann erst recht noch für einen Wettkampf der mir gar nicht wirklich gefällt.

 

Nun, zumindest die Wettkampflust war für eine Weile ein bisschen weg.

 

Dann kamen verschiedene Faktoren ins Spiel.

Einerseits konnte ich micht zu einer seiösen Trainingsplanung durchringen. Es fehlte mir an der nötigen Disziplin und Motivation.

 

Des weiteren hatte ich mit meinem Velogeschäft viel viel mehr zu tun als ich mir noch ein paar Monate zuvor habe vorstellen können. Vom April bis August hatte ich praktisch einen 100%-Job.

Das war und ist sehr schön für mich und ich bin auch ein bisschen stolz darauf.

Vor allem durch die Marke Bianchi habe ich eine stattliche Anzahl von Kunden gewonnen, die echte Kollegen und sogar Freunde geworden sind. Das ist mir so wichtig wie der Verdienst mit den Velos.

 

Dann merkte ich natürlich, dass ich meine Vorstellungen von Leistungen, meine eigenen Rangvorstellungen an Wettkämpfen nie und nimmer erreichen würde. Und für einfach nur mitzumachen fehlt mir die Motivation für ein gezieltes Training. Einfach "mitmachen" kann ich auch mit einem sehr rudimentären gelegentlichen Training.

Und dann halt die Sinnfrage...  Einerseits wäre es ja schon interessant die Leistungsfähigkeit im Alter auszuloten. Aber dann kommen meine eigenen Ansprüche. Und um diese zu erreichen müsste ich wirklich das Ganze total anders angehen. Aber will ich in meinem Alter die Prioritäten tatsächlich so haben??

Ich lebe nicht mehr so lange wie ich schon gelebt habe. Will ich tatsächlich mein Leben dem Sport nochmals unterordnen? Ich habe gemerkt, dass ich das tun müsste um dorthin zu kommen wo ich hinmöchte.

Und dann die Frage was das dann überhaupt für eine Leistung sein könnte? Ehrlich gesagt wäre es eh nur eine Leistung "jenseits von gut und böse". Eine anständige Leistung erreiche ich in meinem Alter nicht mehr. Da bin ich desillusioniert. Ein Ablöscher war auch, als ich von einem Alterskollegen Medikamente angeboten bekommen habe, mit denen ich dann schon noch etwas zuwege bringen würde. Da kommt dann plötzlich die Frage auf, ob wohl alle diese Superleistung der "alten Sportler" wirklich so super sind?

 

Item, ich habe seit dem Engadiner an keinem einzigen Wettkampf mehr teilgenommen. Es wäre mir ein "müssen" gewesen.

 

Das ganze Projekt war aber trotzdem eine gute Sache. Ich habe ( zumindest ein Stück weit ) gelernt, meine Prioritäten für den Rest meines Lebens besser kennen zu lernen. Breitensport zusammen mit meiner Frau, meinen Kollegen, Kunden und Freunden, dazu aber das Leben mit einem guten Glas Wein, feinem Essen und auch zwischendurch mal nichts tun, lesen oder einfach nachdenken, eben das Leben breitbandig, mit allen Facetten zu geniessen, das ist das was mir besser zusagt.

 

Nichtsdestotrotz, will ich auch die kommenden Jahre Leistungsfähig bleiben und auch wieder das eine und andere Mal an einem Wettkampf mitmachen. Aber ohne Zielvorgaben und übertriebenen Ambitionen.

 

Ich möchte effektiv meine Leistungsfähigkeit noch wieder ein bisschen verbessern. Aber einfach nicht um jeden Preis. Mal schauen...

 

 

 

 

 

 

29. Oktober 2017

Im Verlauf der letzten vier Wochen habe ich meinen Trainingsumfang und auch die Intensität kontinuierlich gesteigert. Drei mal pro Woche mache ich noch ein kurzes Kraft- und Beweglichkeitstraining.

In nächster Zeit werde ich versuchen eine Struktur und eine Planung in mein Training zu bringen.

Ohne dies wird für mich eine Steigerung meiner Leistungsfähigkeit nicht in gewünschtem Masse möglich sein.

 

18. Dezember 2017

Der ganze November und die ersten Dezemberwochen waren bei mir bisher in meinem "Sportlerleben" immer ein bisschen "zäh". Es war/ist auch jetzt nicht anders. Die Jahreszeit liegt mir einfach nicht. Es wird düster, die Tage sind kurz, es ist nasskalt. Die Kälte habe ich eh nicht gerne.

Ich muss mich schon des öfteren zum Training "überreden". Das muss dann schon besser werden, sonst gibt das nichts Schlaues.

Trotzdem habe ich verhältnismässig gut trainiert. Einmal pro Woche Bahntraining in Grenchen. Ich fahre dort jeweils zwei Stunden. Allerdings nicht am Stück, sondern mit zwei Pausen dazwischen.

Dann joggen auf dem Laufband, und erfreulicherweise kann man seit Wochen bereits an vielen Orten gut langlaufen. Mein Gewicht ist zufriedenstellend, ich bin 3 kg leichter als 2015 und 2016 um diese Zeit. Allerdings bin ich aber noch nicht ganz dort wo ich hin will. Das Ziel muss aber jetzt nicht unbedingt über die Festtage erreicht werden.

Ich trainiere aber immer noch ohne Plan und ohne klare Struktur. Einfach deutlich mehr, als die letzten Jahre. Ab anfang Januar möchte ich aber dann schon mit einer gezielten Planung beginnen.

 

11. Februar 2018

Sechs Wochen im neuen Jahr sind bereits vergangen. In diesen sechs Wochen habe ich 406km auf Langlaufskis, 482km auf dem Bahnvelo im Velodrome und 73 km mit laufen zurückgelegt. Immer noch trainiere ich je nach Zeit und Lust ohne spezielle Planung. Ich habe auch seit ende Oktober keine effektiven Testtrainings gemacht und weiss drum nicht so genau wo ich stehe. Um wenigstens wieder einmal Wettkampfluft zu schnuppern, habe ich mich für den Gommerlauf und den Engadiner angemeldet. Allerdings ohne Zeit und rangmässige Ambitionen. Langlauf ist für mich eine reine Trainingssportart.

Trotzdem werden diese zwei Wettkämpfe mir zumindest gefühlsmässig gewisse Anhaltspunkte geben.

Mal schauen wie es so läuft.

 

15. März 2018

Die beiden Langlaufwettkämpfe sind vorbei. Mein Fazit ist sehr durchzogen. Der Gommer Halbmarathon war für mich ein sehr schöner Lauf. Seit sechs Jahren wieder einmal ein Langlaufwettkampf. Ich musste natürlich zuallerhinterst im letzten Block starten und habe auf den 21 Rennkilometern total ziemlich genau 220 LäuferInnen überholen müssen. Auf den relativ schmalen Loipen hat das viel Kraft und Energie gekostet.

Mit meiner Leistung bin ich recht gut zufrieden. Ich konnte über eine Stunde mit konstanter Leistung laufen und das ist mal gut so.

Für den Engadiner habe ich mir eine deutliche Steigerung erhofft und vorgenommen. Es kam anders.

Die Woche vorher lag ich mit Grippe den ganzen Dienstag und Mittwoch im Bett. Am Donnerstag wurde unsere neue Heizung in Betrieb genommen und ich musste mehr oder weniger krank mit dabei sein. Noch in der Nacht vom Samstag auf Sonntag war ich unschlüssig ob ich überhaupt starten sollte. Ich bin dann aber doch rechtzeitig in Maloja am Start gestanden. Mit leeren Beinen und Armen und auch mit einem leeren Kopf.

Ich bin sicher schon über 15 mal am Engadiner gestartet und es war nie ein Lauf den ich wirklich gemocht habe und es wird auch nie einer sein. Es sind mir zu viele Leute und das ganze Brimbamborium und Getue rund um diesen Lauf ist mir zu gross. 

Aber saft- und kraftlos zwei Stunden lang immer Position um Position gut zumachen und trotzdem von Pontresina aus eigentlich nur noch ins Ziel zu schleichen, das vergrössert die Freude an diesem Lauf nicht.

Der einzige Grund nochmals zu starten ist eigentlich nur nicht mit einer so schlechten Leistung mit dem Engadiner aufzuhören. Also könnte es sein, dass ich nächstes Jahr nochmals starte. Von der Elite C aus zu starten ist dann hoffentlich ein Stück "gäbiger". Wir werden sehen.

Fazit: Als effektive Leistungstests haben die Läufe nicht wirklich etwas gebracht und ich bin nach wie vor sehr unsicher wo ich Leistungsmässig stehe.

Ich fühle mich wieder recht gut und freue mich jetzt aufs Rennvelofahren und ein bisschen Laufen.